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Johannes Sandberger
Stipendiat 1998 - 1999

3 von 24 Arbeiten aus LEMGOER FELD
Foto Dirk Wehmeyer

Text von Klaus Sebastian aus dem Katalog zur Abschlußausstellung:

In einer Zeit, da Menschen wie Dinge sich allzu häufig auf das Ausüben von Funktionen beschränken müssen, wird die zweckfreie Kunst zum Überlebensmittel. Johannes Sandbergers Objekte verweigern sich jeglicher Art von Funktionalität. Als rätselhafte Ungewißheiten treten sie in Erscheinung; eigenartig bauen sie sich vor uns auf, als harrten sie noch ihrer Bestimmung. Schnell erkennt man, daß die im "Rudel“ (1997/98) auftretenden, dreibeinigen Objektkästen für den Fotografen völlig untauglich sind. Allenfalls gingen sie als ironische Spielart der "Lochkamera“ durch. Schließlich fangen sie das Licht nicht ein, sondern lassen es freizügig passieren. Obwohl sie sich öffnen, behalten sie ihre Geheimnisse für sich. Präsentieren sie uns durchs imaginäre Objektiv nicht doch ein Bild, oder stellen sie sich ganz subjektiv nur selbst zur Schau? In dieser Werkgruppe wird offenbar, daß Sandberger sich bisweilen von vertraut erscheinenden Dingen inspirieren läßt. Im kreativen Prozeß gelingt es ihm aber, das alltägliche Objekt vom funktionalen Ballast zu befreien. So entstehen Plastiken, die wesentlich, fremdartig und vertraut zugleich erscheinen.

Häufig schöpft der Künstler aus dem Formenrepertoire der Geometrie. Dann genügen ihm weinige Grundelemente, um daraus poetische Gleichnisse zu erschaffen – Greifbares, das unsere Imagination herausfordert. Eine Kreisform, ein paar Rundstäbe, ein Kreissegment – fertig ist eine minimalistische Dingkombination, die der eine als Wasserrutsche, der andere als Rennbahnfragment deuten mag; hilflose Versuche, dem Eigenartigen einen Namen zu geben.

Wenn bemalte Plastiken sich in symmetrischen Gegenbewegungen winden, sich fröhlich in den Raum schlängeln oder fast schwerelos auf dünnen Stäben schweben, dann nähert sich das Werk des subtilen Formfinders dem Balanceakt eines virtuosen Artisten, der mit scheinbarer Leichtigkeit Teller und Tassen auf vibrierenden Stangen rotieren läßt.

VERSAMMLUNG (MIKROPHONE)
Foto Dirk Wehmeyer
OBEN UND STEREO
Foto Dirk Wehmeyer

Das, was so leicht daherkommt, ist in Wahrheit mit Intuition und beinahe mathematischer Sorgfalt komponiert. Sobald eine Formidee entwickelt ist, läßt sich Sandberger auf einen Dialog mit der Eigengesetzlichkeit der Figuren ein. Häufig entstehen diese aus der Addition von Formen. Aussparungen – als Subtraktion von Flächen – schaffen Transparenz und ermuntern den Betrachter, den leeren "Negativraum“ als eigenständige Form wahrzunehmen. Nebenbei stellt sich das Vertraute aus einem verschobenen Blickwinkel wieder anders dar: Voluminöses wird flächig, Flächen verengen sich zu Linien, Öffnungen erlauben unerwartete Durchblicke.

Naheliegende Assoziationen führt der Künstler gern ad absurdum. Dann leuchtet ein bedrohlich aufragender Apparat in freundlichem Gelb; eine aus strengen Formen gefügte Plastik bekommt einen bunten Anstrich: Pythagoras im Gewand eine Tropenfisches.

Johannes Sandberger, der seine Kreativität auch als Musiker und Komponist unter Beweis stellt, ist ein ideenreicher Arrangeur. Er arrangiert, wenn er bewegliche und starre Formen so kombiniert, daß ein labiles Gleichgewicht entsteht. Er arrangiert aber auch, wenn er eine Vielzahl origineller Objekte zum Gruppenbild versammelt; da finden sich lauter isolierte Individuen "Unter Tischen“ (1996/97) zum harmonischen Stelldichein.

In diesen Installationen verrutschen die Maßstäbe: Kleines darf man sich groß vorstellen, Gigantisches schrumpft zum handlichen Architekturmodell.

Johannes Sandberger entwickelt seine Kunst aus dem Spiel mit der ewig wandelbaren Form. So entstehen plastische Arbeiten, die durchdacht und leicht daherkommen, die sich mit Klarheit, Ironie und Hintersinn der Norm und dem Zwang zur Folgerichtigkeit entziehen. Den Betrachter halten sie in ihrer Vielansichtigkeit körperlich wie geistig in Bewegung.

RUDEL 
Foto Johannes Sandberger


Biografie

1963  geboren in Weingarten
1985 - 1989 Violinstudium an der Musikhochschule in Münster
1986 - 1990 Studium an der Kunstakademie Münster bei Prof. Reiner Ruthenbeck
1990 - 1994 Kompositionsstudium an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf bei Prof. Dimitri Terzakis und Prof. Manfred Trojahn
  Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Fritz Schwegler
1993 Meisterschüler von Prof. Fritz Schwegler

Preise und Stipendien

1989 Stipendium für “Progetto Civitella D'Agliaino”, Italien
1993 "Ida Gerhardi Förderpreis 94" der Stadt Lüdenscheid
1994  Reisestipendium noch Schottland der Kunstakademie Düsseldorf
1998  Stipendium Junge Kunst der Alten Hansestadt Lemgo

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